Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück von Gotthold Ephraim Lessing

Regie: Esther Undisz, Ausstattung: Ulrike Schlafmann, Musik: Sebastian Undisz, Dramaturgie: Gisela Kahl, Stagemanagment: Mirko Warnatz, Ingo Zeising, Hospitanz: Anna Reupke

Major von Tellheim, verabschiedet – Marco Matthes; Minna von Barnhelm – Maria Prüstel; Franziska, ihr Mädchen – Hanka Mark; Just, Bedienter des Majors – Friedrich Rößiger; Paul Werner, gewesener Wachtmeister des Majors – Alexander Wulke; Der Wirt – Roland Kurzweg; Eine Dame in Trauer – Eva Kammigan; Riccaut de la Marliniére – Till Demuth; Ein Feldjäger – Mirko Warnatz; Ein Bedienter – Ingo Zeising

Es sind die ersten Friedenstage. Minna von Barnhelm ist gemeinsam mit ihrer Freundin auf der Suche nach ihrem Verlobten, Major Tellheim. Der Krieg ist zu Ende, aber die Männer haben nur den Krieg gelernt. Was ist ihre Aufgabe außerhalb des Schlachtfeldes? Wie fasst Mann wieder Fuß im normalen Leben? Für den ehemaligen Major Tellheim wird die Freiheit des Friedens zur existenziellen Bedrohung. Alle Werte schwanken und schwinden. Die humanitäre Heldentat, die Tellheim während des Krieges königliche Anerkennung einbrachte, wird nun von Kommissionen untersucht. Und als ihm die Auszahlung der beträchtlichen Summe, die er in des Königs Namen ausgelegt hatte, verweigert wird, hat er nichts mehr: kein Vermögen, keinen Beruf, keine Perspektive. Verletzt in seinem Stolz, fühlt er sich der Liebe Minnas nicht würdig. Doch Minna kann und will ihren geliebten Tellheim nicht lassen. Assistiert von ihrer Freundin kämpft sie um den gedemütigten, verbohrten Mann. Ihre Waffen sind Charme, Witz, flinke Worte, fröhlicher Starrsinn und am Ende eine ausgeklügelte List.

KRITIKEN / AUSZÜGE

Niederlausitz aktuell, 29.03.2011 Bei der Inszenierung von Lessings „Minna von Barnhelm“ ist der Regisseurin Esther Undisz etwas Einzigartiges gelungen. Das Spiel der Mimen auf der Bühne der NEUEN BÜHNE Senftenberg ist gleichzeitig modern, zeitnah und werkgetreu. Die Kostüme und das Bühnenbild der Ausstatterin Ulrike Schlafmann sind wesentliche Komponenten des Erfolgs. Lessing nennt sein Werk ein Lustspiel. Und ein Lustspiel hat Esther Undisz auch inszeniert. […] Am Ende der Premierenvorstellungen gab es viel Beifall für das gesamte Ensemble.

Lausitzer Rundschau, 26./27.03.2011 Frauenpower an der NEUEN BÜHNE Senftenberg. Nicht nur, dass Dramaturgin Gisela Kahl, Ausstatterin Ulrike Schlafmann und die Regisseurin der „Minna“ zum starken weiblichen Geschlecht gehören, geben auch auf der Bühne zwei selbstbewusste Weibsbilder die Richtung vor: Minna von Barnhelm und ihre Zofe Franziska. Für die Männer, die es mit diesen Beiden zu tun haben, ist das eine ziemlich undurchsichtige, weil ungewohnte Situation. Bevor Major von Tellheim, Verlobter von Minna, dessen Diener Just sowie Wachtmeister Paul Werner verstehen, welche Fallstricke ihnen ausgelegt wurden, haben sie sich längst verheddert. Das ist höchst amüsant anzuschauen und selbst rund 250 Jahre nach der Uraufführung ziemlich heutig.

Dresdner Neueste Nachrichten, 05.04.2011 Nun ist just an der NEUEN BÜHNE Senftenberg eine weitere Spielart der „Minna von Barnhelm“ zu erleben, und das in der Inszenierung von Esther Undisz. Diese nimmt Lessing absolut beim Wort, lässt weder in der Personage noch im Text etwas durch die „Ritze“ fallen, vertraut offenbar auf das, was das Stück damals wie in der Gegenwart zu bieten hat. […] Auch das Schauspielerensemble in Senftenberg muss sich nicht verstecken. Märkische Allgemeine Zeitung, 28.03.2011 Das Leben nach dem Krieg ist hart. Was hat man nicht alles einstecken müssen, im Felde oder an der „Heimatfront“! Überall Tod, Zerstörung, Hunger, Elend und Entbehrung. Und jetzt? Der Friede scheint auch nicht besser zu sein. Alle Werte sind dahin. Treue und Ehre – was ist das? Vielleicht sind deshalb die Figuren in Lessings Lustspiel „Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück“ so zerrissen. Regisseurin Esther Undisz hat das Stück für die NEUE BÜHNE Senftenberg in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verlegt – und das auftretende Personal aller Sicherheit beraubt. Niemand ist hier aus einem Guss. Das beginnt bei Friedrich Rößigers Just, geht über Roland Kurzwegs Wirt und Hanka Marks Franziska bis zu Tellheim und Minna. […] Was ist das überhaupt? Die Ehre? Hat Tellheim nicht alles erlebt, im grausamen Krieg längst jede Hoffnung auf Gerechtigkeit verloren? Das spielt Marco Matthes jedenfalls mit trefflicher Genauigkeit. Dieser Mann – ein Kriegsheimkehrer, wie aus Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ – ist „fertig mit der Welt“. Und Minna? Maria Prüstel gibt sie als Schwankende. Dieser zierlichen Kindfrau unter dem blonden Wasserwellenschopf scheint der Boden unter den Füßen fortgerissen zu sein. Sie ist keine resolute Frau, die dem Mann, den sie liebt, gefolgt ist, um ihn – was auch immer geschehen sein mag – wiederzugewinnen. Sie scheint verwirrt, sprunghaft, zweifelnd, legt wiederholt erschöpft die Hand an die Stirn. Sie hängt sich an Tellheim, läuft davon und dreht gleich wieder um. Die Antwort muss sich jeder Zuschauer selber geben.

Lausitzer Rundschau, 29.03.2011 Es geht um Ehre und Geld, um Kriegserfahrungen und den Versuch zu emanzipierten Liebesbeziehungen. […] Groß und blau leuchtet „Hotel“ über Wänden, die beklebt sind mit unzähligen verwaschenen Suchbildern nach Soldaten. Vor ihnen oder mehr vor dem Publikum an der Rampe stehen hier zunächst die Männer mit ihren Erfahrungen und Haltungen aus vergangenen Zeiten. Wachtmeister Paul Werner (schön redlich tumb: Alexander Wulke) ist ein fröhlicher Haudegen. […] Maria Prüstel, klein und quirlig, eine körpersprachlich wunderschön übersteigerte Minna, agiert mit ansteckender koketter Fröhlichkeit, und die dezent sächselnde Hanka Mark macht Minnas Mädchen Franziska mit kessen Sprüchen und zugleich virtuos verklemmter wie beweglicher Körpersprache zu einer Komödienfigur mit Charakter. Minna und Franziska sind nicht modern, sondern sind kluge und selbstbewusste Frauen in einer anderen Zeit. […] Insgesamt kann man sich in der NEUEN BÜHNE Senftenberg wieder einmal durchaus gut unterhalten und gelegentlich auch kräftig amüsieren.

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